Hundeglück 2017

 

SAM

Sam - ist der Ruf erst ruiniert……

Ist der Ruf erst ruiniert, dann wird es für einen Hund sehr schwer! 
Drei Textentwürfe zu Sam habe ich nun schon verworfen. Jedes Mal überkam mich die Angst, die falschen Worte gewählt zu haben, womöglich diesen wunderbaren Hund ins falsche Licht gestellt zu haben.

 

Sehr selten erlebte ich bisher eine so große Diskrepanz zwischen meiner eigenen Wahrnehmung und der der Besitzer des Hundes Sam. Ich wurde gebeten, für diesen herrlichen Hund ein neues Zuhause zu suchen, da er sich aggressiv verhalten hätte und es „Schnapp-Attacken“ gegeben hatte. Sam sei nicht ableinbar, weil er dann weglaufen würde und er angeleint Kommandos ignorieren würde.  

(Ich möchte in diesem Zusammenhang meine Definition von Schnappen und Beissen kurz erläutern: ein Schnappen passiert aus Angst oder/und grösster Unsicherheit des Hundes. Er hat nicht die Absicht, tiefe Fleischwunden zu erzeugen. Er ist massiv gestresst und warnt den Hundeführer, ohne tiefe Wunden zu hinterlassen.  Ein Beissen hingegen erzeugt eine blutende Wunde, oft beisst ein Hund „nach“. Er greift nach dem ersten Biss ein weiteres Mal an und will verletzen).
Mein erster Eindruck bei unserem Treffen: ein einsamer und trauriger Hund, verloren und hilflos im Kofferraum sitzend, der ganz genau spürt, dass es hier um ihn geht, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Besitzer innerlich auf Abstand zum Hund.
Wir machten uns auf zu einem Spaziergang und nach ein paar Metern nahm ich Kontakt zu Sam auf, er begrüßte mich sehr freundlich und schon in diesem Augenblick spürte ich etwas sehr Liebevolles in seinen Augen, etwas Weiches. Nachdem mir erzählt wurde, Sam reagiere an der Leine nicht auf Ansprache bzw. verbale Kommandos, übernahm ich die Leine.
Generell spreche ich leise und freundlich, aber klar mit den Hunden, genauso wie  damals auch mit Sam. Ich rief ihn zu mir, er kam freundlich, beim zweiten Mal schon überschwänglich. Ich wechselte die Richtung und sagte ihm das, er drehte sich zu mir und kam sofort mit. Sam lächelte mich förmlich an, ich sagte "Sitz" und Sam saß, bekam ein Leckerli. Dieser Hund hatte eindeutig Spaß daran und ich war sehr verwundert, hatte ich doch etwas ganz anderes erwartet. Während des Spazierganges wurde viel gesprochen, zwischendrin kam Sam immer voller Freude auf mich zu, wir verstanden uns von der ersten Sekunde an.

 

Seine Besitzer erzählten, dass sich die erste Veränderung von Sam während der Schwangerschaft der Besitzerin im Jahr 2015 zeigte. Zu dem Zeitpunkt stellte niemand eine Verbindung zwischen Veränderung des Hundes und der Schwangerschaft her.  Die insgesamt fünf sog. "Beißvorfälle" seit 2015 waren immer in Verbindung mit körperlicher Einwirkung von Seiten der Besitzer und/oder Schreck, bzw. Angst und fanden nur innerhalb der Familie statt.

Sam wurde glaubhaft nicht geschlagen. Es waren es unglückliche Situationen, teils ungeschicktes, aber für den Hund eindeutig bedrohliches Vorgehen der Besitzer.

 Der Einzug des Babys Anfang 2016 verlief ohne jegliches Problem, Sam war freundlich und alles verlief harmonisch.
Im Jahr 2016 gab es drei "Beißvorfälle". Das Baby wurde bis November gestillt und von da an weinte Sam nachts stundenlang, sobald die Besitzer ins Bett gingen.
Sam durfte vor der Schwangerschaft mit im Bett schlafen, ab Schwangerschafts-beginn wurde er zur Nacht in den Flur ausquartiert. Erst als man ihm im Dezember dann endlich die Tür ins Wohnzimmer öffnete, hörte sein Weinen auf.

 

Anfang Januar 2017 fing Sam an, tagsüber viel zu bellen und wollte zur Abendrunde um 22 Uhr das Haus nicht mehr verlassen. Als sein Besitzer ihn dann massiv an der Leine hinausziehen wollte, "biss" er ihn in seiner Not ins Knie.

Das war der letzte Vorfall. Sam wurde einem Tierarzt vorgestellt, außer Verspannungen im Rücken wurde nichts diagnostiziert. Er bekam Schmerzmittel und Akupunktur. Es wurden viele Röntgenbilder gemacht, das Blut untersucht, um u. a. auch den Zustand der Schilddrüse zu überprüfen, keine Befunde.

 

Seit ein paar Tagen "ist die Katze aus dem Sack". Die Besitzerin weiß nun, dass sie wieder schwanger ist, Sam wusste es bereits Anfang Januar.
Dadurch stellt sich mir dieser Hund in einem ganz anderen Bild dar und ich werde versuchen, Ihnen meine Beurteilung von Sam zu schildern:

Sam wurde im Alter von 3 Monaten, aus einem bulgarischen Tierheim kommend, adoptiert. Er war ein sehr unterwürfiger Welpe.
Bis zum Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft schlief Sam mit im Bett, lag ebenso auf dem Sofa und war ein glückliches Familienmitglied. Er fühlte sich geborgen und sicher.
Dann plötzlich wurde ihm sein Frauchen so sehr fremd, sie roch völlig anders, er fühlte sich bedroht, nicht mehr geborgen und unsicher.
Sam kam in einen Konflikt: er liebte sein Frauchen sehr und hatte gleichzeitig Angst. Es kommt öfter vor, dass Hunde mit Stress, Unsicherheit, Übereifer usw. reagieren, wenn ihre Halterinnen schwanger sind.
Die "Beißvorfälle" definiere ich als überschießende Reaktion bedingt durch eine tiefe Verunsicherung des Hundes. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sam seinen Stress nach innen gelebt hat. Er ist ein um Harmonie bemühter Hund, was er selbst mir bei unserem Kontakt gezeigt hat. Dadurch war es natürlich schwer für die Besitzer, die Veränderung des Hundeverhaltens zu erkennen.
Nachdem das Kind im November 2016 abgestillt wurde, veränderte sich der Geruch von Sams Halterin wieder in den alten, vertrauten und geliebten Geruch.

Von diesem Zeitpunkt an verspürte Sam eine riesengroße Sehnsucht, nachts wieder bei seinem Rudel sein zu dürfen. Solange Frauchen so bedrohlich roch, konnte er den neuen Schlafplatz im Flur akzeptieren, aber ab November hielt er die Einsamkeit nicht mehr aus. Der nächtliche Schlafplatz-Wechsel ins Wohnzimmer gab ihm mehr Geborgenheit, da dieser Raum ein viel intensiver bewohnter Raum mit allen Gerüchen seines Menschenrudels war.
Ich sehe in Sam einen sehr sensiblen, ehrlichen und guten Hund. Ein Hund, der seinen/m Menschen ein Freund sein will, aber auch einen Menschen zum Freund braucht. Sam will ein guter Hund sein, er bemüht sich, alles richtig zu machen und seine Liebe ist ehrlich. Ich denke, seine Familie hatte einfach mit sich und der Schwangerschaft zu viel zu tun, und deshalb seine Signale nicht wahrgenommen, ihn nicht gesehen.

Das ist meine Erfahrung, die deutlich zu erkennen war: Sam will gesehen und gehört werden. Sieht und hört man ihn nicht, also ist nicht in mentaler und feinsinniger Verbindung mit ihm, taucht er ab in seine eigene Welt, weil er sonst nicht zurecht kommt.
Sam ist ein durchweg freundlicher Hund: er ist freundlich zu Nachbars Katze (mit ihr kuschelt er), zu anderen Hunden (bis auf einen Rüden, der ihn gebissen hatte), und natürlich zu Menschen. Sam liebt auch sein Menschenkind innerhalb seines Rudels.  Fällt die Kleine hin, ist Sam sofort zur Stelle und leckt ihr tröstend das Gesicht ab.

 

Sam ist weder aggressiv noch böse oder gar dominant. Er ist ein Hund mit weicher Seele und zerknittertem Herzen, er braucht das Gefühl der Zugehörigkeit. Ausgrenzung ist Gift für ihn und macht ihn traurig. Sam möchte mit seinem Menschen einfach nur leben und sich zugehörig fühlen. Er ist intelligent und will seinem Menschen gefallen. Sam fährt problemlos im Auto mit und läuft auch neben dem Fahrrad, liebt es, ins Wasser zu gehen, kuschelt mit Katzen und sein bester Hundefreund ist ein Mops-Rüde. Sam hat Angst bei Gewitter, er ist nicht schussfest und die Silvester-Knallerei ist auch ein Übel für ihn.

 

Ich wünsche mir für Sam herzliche, klare und authentische Menschen mit abgeschlossener Familienplanung. Das Zuhause sollte in ländlicher Gegend sein und einen Garten haben (Sam liebt es, in der Sonne zu liegen). Nette Kinder ab 6 Jahren dürfen dort auch wohnen.
Sam wartet in der Nähe von Nürnberg auf seine neue Familie. Er ist 2013 geboren, kastriert, geimpft und gechippt.

Ich freue mich auf Ihre Bewerbung für diesen wunderbaren Hund.

 

Kontakt: Sonja Wohlfart

info@galgovermittlung.de

 



+
zum Seitenanfang
+ zur Startseite von Hundshuus