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Clarke
Eigentlich kann man es nur so
beschreiben: Clarke kam, sah und…………siegte!
Als ich im Herbst 2005 nach einer Reise quer durch alle möglichen
Bundesländer (z.B. Nordrhein- Westfalen , Sachsen) schlussendlich doch
einmal eines unserer örtlichen Tierheime in dem schönsten aller
Bundesländer (nämlich Niedersachsen), besuchte, hatte ich
selbstverständlich auch bereits eine feste Vorstellung von DEM perfekten
Hund.
Er sollte sein:
- noch recht jung (höchstens zwei-drei
Jahre)
- natürlich stubenrein
- mit allem und jedem verträglich
- alleine bleiben können
Das allerwichtigste war für mich jedoch:
Es sollte auf jeden Fall ein Staffordshire oder Pitbull–Terrier sein !
(Nein, bitte jetzt nicht an die üblichen Klischees oder ähnliches
denken: Ich hatte mal eine Begegnung mit einem Staff, als ich eigentlich
nur einmal im Tierheim vorbeischaute, um die Sachen meines damals
verstorbenen Kaninchens ins Tierheim zu bringen.
Seit dieser Begegnung ließ mich diese
tolle Rasse einfach nicht mehr los und mir war klar: Wenn ein Hund, dann
nur ein solcher! Dies aber nur kurz zur Erklärung, zurück zu Clarke).
Nun ja, die Pflegerin stellte mir verschiedene Schützlinge vor und als
wir im Haus mit den „Kampfschmusern“ an den Innenzwingern vorbeigingen,
gab es einen Höllenlärm; nur einer saß brav und artig in seiner Schale
und schaute mich mit etwas schief gelegtem Kopf aus seinem Zwinger
heraus an: CLARKE !
Ich fragte die Pflegerin, die mir
eigentlich drei völlig andere Hunde zeigen wollte, was sie mir denn zu
diesem Hund sagen könne.
Sie sagte: „ Ach ja, das ist Clarke, unser Sorgenkind. Der ist schon
sieben Jahre bei uns.“
„Sieben Jahre, wie alt ist er denn ?“ fragte ich. „Zehn“ lautete die
Antwort.
Ups, das ist ja schon ganz schön alt, dachte ich, aber das war mir auf
einmal so was von egal und all meine bis dato ach so wichtigen
Prioritäten waren auf einmal vergessen, ich wusste:
Das ist MEIN Hund und der muss hier ganz schnell raus!!!!!
Leider war ansonsten wenig bis eigentlich gar nichts über Clarke’s
Vorgeschichte herauszubekommen.
Mir wurde trotz mehrfacher Nachfrage lediglich erzählt, dass er einmal
für ein paar Tage vermittelt war und aus dieser Vermittlung bereits nach
ein paar Tagen (ich glaube, es waren fünf) wieder zurückkam mit den
Worten der Interessenten: „Der „funktioniert“ nicht, der hat uns an den
Türrahmen gepinkelt und einen Läufer zerfressen. Alleine bleiben kann
der nicht!“.
Erst viel später sollte ich über einige
Umwege und Zufälle noch einiges mehr über seine Vorgeschichte erfahren;
da dies jedoch auf Hörensagen basiert, möchte ich an dieser Stelle nicht
näher darauf eingehen.
Nur soviel: Wenn auch nur die Hälfte von dem, was mir da erzählt wurde,
wahr ist, dann ist es erstaunlich, dass dieser Hund so
super-menschenfreundlich ist!
Von dem Moment an, als klar war, dass
Clarke bei uns einzieht ( schließlich musste Herrchen ja auch noch
überzeugt werden ) und ich dies meiner Familie und Freunden erzählte,
musste ich mir Sachen anhören wie: „Du spinnst ja, Du kannst Dir doch
nicht einen so alten Hund holen ! Wenn Du Dich an ihn gewöhnt hast,
stirbt er. Das würde ich niemals machen. Hol Dir einen jungen Hund, da
hast Du mehr von.“
Oder: „Das kannst Du doch nicht machen! Wenn der Hund so lange im
Tierheim war, hat das sicherlich seinen guten Grund; der muss ja gestört
sein!“
Das war, bevor sie Clarke kennen gelernt haben ( heute will keiner mehr
„so was“ gesagt haben. *grins* ). Mir war’s egal, ich würde es jederzeit
wieder so machen!
Von dem Tag, als ich Clarke das erste Mal gesehen habe, bis zu dem Tag
seines Einzuges bei uns kam es mir wie eine halbe Ewigkeit vor:
Erst wartete ich auf einen Termin in der Tierärztlichen Hochschule,
damit ich meinen Sachkundenachweis gegenüber dem Tierheim erbringen
konnte (Dieser ist bei uns in Niedersachsen keine Pflicht, jedoch möchte
das Tierheim dies so), dann musste ich ja auch noch so einiges an
Vorbereitungen treffen (Urlaub beantragen etc.), damit auch alles
perfekt ist, wenn Clarke kommt.
Ich wollte doch auf keinen Fall etwas dem
Zufall überlassen.
Wann immer es meine Arbeitszeit und die
Öffnungszeiten des Tierheimes zuließen, besuchte ich „meinen“ Clarke und
jedes Mal brach es mir fast das Herz, wenn ich ihn wieder allein in
seinem Zwinger zurücklassen musste und ohne ihn nach Hause fuhr!
Je häufiger ich kam, umso mehr freute er sich und umso trauriger schien
er, wenn ich ihn dann doch wieder alleine ließ.
Dann war er endlich da, der große Tag (es war Donnerstag, der
03.11.2005), an dem ich Clarke endlich aus dem Tierheim mit nach Hause
nehmen durfte!
Bei uns zu Hause angekommen, rannte er erst einmal wie von Sinnen durch
das ganze Haus und stellte fest: „Okay, hier wohne ich jetzt und ich
find’s toll hier, wo ist mein Bett???
„ Mit einem Satz: Es war vom ersten Tag an SEIN Zuhause !
Wenn es regnet oder sogar noch schlimmer: schneit (!!!), setzt er keine
Pfote vor die Tür (nur unter Protest!), am liebsten liegt er
eingekuschelt in mindestens zwei Decken (meistens nimmt er meine auch
noch mit dazu) auf dem Sofa und schnarcht wie ein Großer!

Man kann auch nicht unbedingt behaupten,
dass er ein Frühaufsteher ist, denn vor neun Uhr braucht man ihm gar
nicht erst vor die Schnauze zu kommen……
Wenn ich zur Arbeit gehe, wartet er artig (nix da mit an den Türrahmen
pinkeln und Sachen kaputt fressen!), bis ich wieder zu Hause bin - wobei
Herrchen allerdings auch ne’ nette Alternative ist - weicht mir dann
allerdings keinen Schritt mehr von der Seite !
Bei schönem Wetter geht er gern und lange
spazieren, nur andere Hunde findet er nicht so toll (was wohl seinen
Ursprung in seiner obskuren Vergangenheit hat).
Im Tierheim war mir das beim Spazierengehen gar nicht so aufgefallen;
das lag aber wohl eher daran, dass er all die Hunde, die uns da
begegneten, kannte (klar, bei sieben Jahren Knast kennt man seine
Pappenheimer).
Dies ist auch heute noch so: „Ah, warte, Dich hab’ ich schon mal
gesehen, Du tust mir nichts, also sehe ich Dich gar nicht!“
Leider passierte, als er gerade mal drei Wochen bei uns war, eine sehr
unschöne Geschichte:
Clarke wurde er auf einem unserer Spaziergänge ganz böse von dem
freilaufenden Schäferhund eines Bauern zusammengebissen und hat sich
nicht einmal gewehrt. Einige seiner Wunden am Kopf mussten geklammert
werden, auch das Ohr und das Auge haben etwas abbekommen.
Nach diesem Erlebnis war es fast unmöglich, mit ihm auf der Straße an
anderen Hunden vorbeizugehen. Vor lauter Panik spulte er folgende Taktik
ab: „Zunächst versuche ich, Dich zu beschwichtigen, kommst Du mir zu
nahe, starte ich den Angriff!“
Die Schuld an seinem Verhalten gab ich von Anfang an allerdings mir,
weil ich der Auffassung war,
dass es meine Aufgabe ist, diesem Hund
die Sicherheit, die er selber nicht hat, aber so dringend benötigt, zu
geben.
Ich hatte so panische Angst, dass ihm wieder etwas passiert, dass ich
nicht im Stande war, ihm Souveränität zu vermitteln.
Es folgten zunächst einige (!!!) Einzelstunden, bevor wir uns dann in
einen Hundeführerscheinkurs wagten und nicht einmal ein viertel Jahr
später die Prüfung für den Hundeführerschein bestanden haben!
In unserer ersten Stunde sagte mir die Trainerin (der ich heute noch
dankbar bin, für das, was ich bei ihr und von ihr lernen durfte) sofort:
„Dieses Verhaltensmuster hat er sich über die ganzen Jahre so
antrainiert.
Eines ist ganz klar: Abgewöhnen werden wir ihm dieses Verhalten nicht
mehr, wir können es allerdings kontrollierbar machen.“
Viele Leute haben mir damals gesagt, dass sie sich diesen „Stress“ mit
einem „so unverträglichen Hund“ nicht antun würden, ich habe jedoch
keine Sekunde daran gedacht, diesen Hund wieder her zu geben !
Heute haben wir das „Problem“ ganz gut im Griff und ich habe gelernt,
damit umzugehen, dass Clarke eben ein bisschen mehr Individualabstand
als manch anderer Hund benötigt, um sich wohl zu fühlen.
Sei’s drum, das geht vielen anderen auch so, da ist er nicht der
einzige.
Ich hoffe, dass ich noch ganz viel Zeit mit Clarke verbringen darf und
ich kann nur immer wieder sagen:
Jeder Tag mit Clarke ist ein großes Geschenk und ich bin stolz darauf,
einen so tollen Hund zu haben !
Liebe Grüße
Nadine Nadolski
P.S.:
Tja was soll ich sagen, ich kam, sah und
siegte!
Heute lebe ich glücklich im Königreich
Arpke, bei gutem Futter, weichem Bett, viel Schlaf und gaaaanz viel
Liebe.... kurz gesagt, ich lasse es mir so richtig gut gehen.
Ganz viele Grüße
Euer Clarke
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Weitere
Informationen des Tierheims Hannover (PDF)
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