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Das Brad-Pitt-Syndrom In Zeiten, als das Internet noch nicht aktuell war, bot ich meine Vermittlungshunde über Zeitungsannoncen an, was den großen Nachteil hatte, dass die Menschen sich eine bestimmte Vorstellung von dem von mir angebotenen Mischlings „bastelten“ und sobald sie den betreffenden Hund hier vor Ort besuchten, oftmals leicht angewidert das Gesicht verzogen. Ich hatte dadurch viel mehr Besucher auf dem Hof, generell viel mehr Unruhe unter den Hunden und der weitaus größte Nachteil war der, dass alle Wochenenden für Telefondienst verplant waren. Denn es könnte ja DER richtige Bewerber anrufen…….. Nun, nach sieben Jahren online-Präsentation der Vermittlungshunde auf der HUNDSHUUS-website, rufen Leute natürlich sehr speziell für einzelne Hunde an. Diese Hunde sind ihnen auf der website aufgefallen, aus welchem Grund auch immer. Einige Menschen sagen, der Hund würde wie ihr verstorbenes Tier aussehen, andere sehen eine frappierende Ähnlichkeit zu ihrem Ersthund usw. Was aber auffällt, ist die Tatsache, dass meine z.T. langen Texte nicht das wichtigste Kriterium für Interessenten sind. Sie bringen es sogar fertig, nachdem halbe Romane über Wesen und Vorgeschichte des Hundes gedruckt vor ihnen liegen, mir eine lapidare mail zu senden, in der sie um mehr Infos bitten….. Worum es mir aber in diesem Text geht, ist mir in der vergangenen Woche wieder bewusst geworden: Die Hunde werden fast AUSSCHLIESSLICH über die Optik bewertet und mit entsprechend hoher Erwartungshaltung besucht. So steht zum Beispiel im Text eines Vermittlungshundes etwas über scheues und schreckhaftes Verhalten des Tieres. Besucher zeigen sich aber zutiefst enttäuscht, wenn der Hund sie weder beachtet noch ihre ihn attackierende Hündin zum Spielen auffordert. Die Rüpelhaftigkeit der Hündin wird mit dem Satz: …. Sie ist ja so dominant….! abgetan, dass ein so in die Flucht gejagter Rüde dann aber keine Spielaufforderung machen möchte, sondern verwirrt am Bein seiner Noch-Besitzerin klebt, erstaunt die Besucher. Dann fällt noch der Satz, dass der besagte Hund doch auf der website so „niedlich und frech“ aussah und der Ansatz zur Übernahme eines Zweithundes ist damit im Keim erstickt. Die Optik hatte sie getäuscht – der erhoffte Hund erwies sich weder als niedlich noch als frech. Ich will mich gar nicht dazu äußern, dass eine hier vor Ort zutiefst unsicher und fast schon fahrig wirkende Frau am Telefon am Vortag davon sprach, zwei „Problemhunde“ besessen zu haben, bei dieser völlig normalen Reaktion des bei mir besichtigten Hundes die Segel jedoch bereits nach 5 min. streicht. Ich will mich auch nicht dazu äußern, dass Menschen 15 Jahre Hunde halten können und immer noch nicht wissen, was am Verhalten des eigenen Hundes einer dringenden Korrektur bedarf und Folge tiefster hündischer Unsicherheit ist. Denn die „dominante“ Hündin war alles andere als das: Sie war keineswegs dominant, sondern war ohne Korrektur und souveräne Führung sich selber überlassen worden und meinte daher, ihr unsicher wirkendes menschliches Rudel verteidigen zu müssen. Wozu ich mich aber jetzt und hier unbedingt äußern möchte, ist der von mir bereits bis zum Erbrechen in früheren Texten angesprochene Punkt der Auswahl nach Optik!! Ein Hund ist kein Pullover!! Trägt man einen Pullover in einer nicht favorisierten Farbe, wird er irgendwann „vergessen“ im Schrank landen! Übernimmt man jedoch einen Hund, den zuvor (hoffentlich!) seriöse Hundevermittler genau charakterisiert haben und den diese dann an bestimmte Menschen vermitteln möchten, dann hat man die Chance, auch bei einem Hund auf „den zweiten Blick“ eine erfüllte Paarbeziehung bis an das Lebensende des Tieres zu führen. Was soll ein unsicherer Hund bei zaghaften unsicheren Leuten? Er wird irgendwann Valium-süchtig des Nachts am Medizin-Schrank erwischt werden, da seine Nerven blank liegen und er davon träumt, einen starken Rudelführer über sich zu wissen. Was soll ein wilder, ungehobelter Hau-drauf bei einer Omi, die ein Faible für große Hunde hat?? (Das ist nicht abwegig – gerade in der letzten Woche vor Weihnachten erfuhr ich über meine Tierärztin von einer 84 jährigen rüstigen Frau, die gerne einen älteren Hund übernehmen würde. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Vermittlungen an alte Leute, ich lebe nur wenige Dörfer entfernt, die Hunde werden mit Schutzvertrag vermittelt, kommen also wieder zu mir zurück, wenn den Menschen etwas zugestoßen ist. Nur diese Dame war wirklich der Witz: Ich gab ihr gegenüber die Daten für eine bezaubernde kleine Hündin weiter, die ich hatte kastrieren, impfen und chipen lassen, die ehemals nach einem Todesfall mit ihrer hündischen Partnerin zu mir kam und die ideal geeignet gewesen wäre, um mit der alten Frau täglich in der waldreichen Gegend spazieren zu gehen. Die Schutzgebühr setzte ich bewusst niedrig an (hätte also finanziell „zugebuttert“), weil sich viele alte Menschen die Unkosten, die mir selber entstehen, nicht leisten können. Da hatte ich aber die Rechnung ohne diese Alte gemacht: Sie pfiff mich an, dass man über die Fundtierzwinger der Gemeinden kostenlos Hunde bekäme (das ist mir nur zu gut bekannt, da dies die Hauptquelle meiner Vermittlungshunde darstellt!!) und was ich mir einbilden würde, ihr solch einen Zwerg vermitteln zu wollen?? Sie würde Schäferhunde lieben und würde nur wieder einen Schäferhund haben wollen! Gut so, da ist natürlich Hopfen und Malz verloren, ich beendete flugs das Telefonat!!) Aber zurück zum Thema: Ich möchte nochmals DRINGEND davor waren, Hunde nach dem optischen Eindruck und dem starken Impuls „den will ich haben!“ zu adoptieren!! Ich will Ihnen natürlich nicht empfehlen, einen Kurzhaar-Dackel zu adoptieren, wenn Briards Ihre heimliche Liebe sind. Aber ich möchte dringend davon abraten, sich im Internet einen Hund „auszugucken“ und dann - keinen vernünftigen Argumenten zugänglich - auf diesem Hund zu beharren. Das ist ähnlich, als würden Sie das erste Mal Brad Pitt sehen, sich unsterblich verlieben und genau DIESEN und keinen anderen Mann erobern wollen! Ich kann zwar nicht beurteilen, unter welchen Umständen Ihre eigene menschliche Partnerschaft zustande kam, aber eine einzig auf optische Reize geeichte Beziehung dürfte auf Dauer wenig Erfolg haben……
Deshalb mein Tipp: WENN Sie das Gefühl haben, dass sich die Hundevermittlung, die Sie kontaktieren, für SIE und Ihre bisherigen Erfahrungen, Ihre früheren Hunde und für die Lebensbedingungen, die Sie einem Hund bieten können, interessiert, dann drehen Sie den Spieß um und fragen einfach, welchen Hund man Ihnen empfehlen kann…..???!!!! Die Betonung liegt bei diesem Vorschlag natürlich auf dem Wörtchen SERIÖS! In der Regel sind große Organisationen, die Hunde aus dem Ausland direkt zu den Interessenten vermitteln, dazu nicht geeignet. Diese Menschen haben oft nur die Vermittlung als solche im Hinterkopf, das soll heißen: sie möchten unbedingt - und möglichst ohne langwierige Komplikationen – das im Ausland in den Hund investierte Geld in Form der so genannten Schutzgebühr zurückbekommen. Da werden dann oft alle Fünfe gerade sein gelassen. Denn die Hunde wurden im Ausland meist geimpft, evtl. auf im Süden vorkommende Infektionskrankheiten getestet worden und mit dem für die Einreise nach Deutschland erforderlichen Mikro-Chip versorgt. Diese Ausgaben wurden also von der Organisation bereits getätigt und müssen daher schnell wieder in die Kasse kommen. Nur so können die erforderlichen Kosten für noch wartende Hunde aufgebracht werden. Da ist für eine langwierige Suche nach dem idealen Halter oft keine Zeit. Dazu ein Beispiel, das sich vor kurzem ereignete: Um Weihnachten herum ereilte mich ein Hilferuf einer mir lange bekannten Tierschützerin. Sie beschrieb die unerträgliche Situation innerhalb einer versierten Pflegefamilie, die einen griechischen Junghund übernommen hatte. Die Pflegefamilie hat - wie gesagt – viele Erfahrungen mit Auslandshunden, dieser spezielle Hund war aber derart unter Stress, dass er nicht nur das gesamte Haus zukotete und zuurinierte, er zerlegte auch Türen, Tapeten und andere Gegenstände. Ein deutliches Zeichen für eine hochgradige Ausschüttung von Stresshormonen, die meiner Erfahrung nach am besten durch Ruhe, Isolation in einem abgedunkelten Raum in Kombination mit Beruhigungsmitteln sowie sanfte Musikberieselung in den Griff zu bekommen ist. Jegliche Überflutung mit Fremdreizen wird so vermieden. Die im Körper massiv vorhandenen Stress-Hormone werden im Schlaf abgebaut. Diese Informationen wurden der Pflegestelle vorenthalten, da sie innerhalb der Organisation vielleicht unbekannt waren. Auf die Hilferufe-mails wurde überhaupt nicht geantwortet. In ihrer Not kontaktierte die Pflegeperson immer wieder die griechische Stelle, von der dieser Hund stammte. Und – oh Wunder – was erfuhr sie nach vier Tagen von dieser Griechin? Die Beschreibung dieses Hundes aus dem Internet traf nicht im geringsten zu. Und das allerschlimmste: Der Hund hatte ohne menschlichen Kontakt in einem Hunderudel mit 40 anderen Tieren gelebt! Und kam nun ohne langsame Gewöhnung in ein normales weihnachtliches Familienleben mit Kindern und Erwachsenen! Als mir diese unglaubliche Geschichte bekannt wurde, erfuhr ich außerdem, dass die überforderte Pflegestelle durch die Organisation einen Interessenten geschickt bekommen sollte. Dieser verzweifelte Hund sollte also binnen kürzester Zeit erneut einer massiven Stressbelastung ausgesetzt werde, sollte erneut in eine ihm fremde Umgebung gebracht werden und alles mit der lapidaren Bemerkung der Organisation an die Pflegestelle: Gib ihn weg, dann hast Du Ruhe! Mein Angebot, diesen Hund hier bei mir im Hundehaus aufzunehmen, wurde abgelehnt, da ich nicht die volle Schutzgebühr von 250 Euro für den Hund zu zahlen bereit war. Da der Hund aber natürlich Kosten verursacht hatte, bot ich freiwillig 100 Euro bei Übernahme des Tieres an. Das Angebot wurde seitens der Organisation abgelehnt, da es sich nicht rechnen würde. Dieser Einblick in die Hinterstube der Vermittlungstätigkeit sicher nicht weniger Organisationen soll Sie hellhörig machen!! Werden Sie vorsichtig, wenn Sie einen Hund adoptieren wollen. Und ich warne noch einmal davor: Nehmen Sie direkt aus dem Ausland nach Deutschland gebrachte Hunde NUR DANN, wenn Sie viele Erfahrungen mit verstörten und gestressten Hunden haben, wenn Sie Erbrochenes und Durchfall völlig kalt lässt. Wenn Sie Bücher zum Thema Stress bei Hunden gelesen haben, wenn Sie wissen, wie Stress abgebaut wird (KEINESFALLS durch lange Spaziergänge in fremder Umgebung!!). Versuchen Sie mit Fangfragen bei den Vermittlern zu ergründen, ob der Charakter der Tiere wirklich bekannt ist. Versuchen Sie zu ergründen, ob es sich um Fachleute zum Thema HUND handelt, die Tiere beurteilen können oder um gelangweilte Hausfrauen mit übergrossem Herzen, die helfen wollen. Denn Hilfe gesteuert durch Mitleid alleine genügt nicht, um eine PASSENDE PARTNERSCHAFT zwischen Mensch und Hund zu erzeugen. In diesem Sinne: Alles Gute für Ihre Adoption und schauen Sie auch einmal UNTER das Fell des Hundes.
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