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Das Elend der sog.
"Kampfhunde"
Liebe Hundshuus-Leser,
in diesem Text möchte ich auf eine für mich
unerträgliche und extrem bedrückende Situation aus
der Welt der Hunde aufmerksam machen. Wenn ich
Sie frage, ob Sie sich in Zusammenhang mit
Hunden an bestimmte Ereignisse erinnern können, so
wird ein grosser Teil der Leser spontan den
tödlichen Beissvorfall zitieren, der sich
im Jahr 2000 in Hamburg ereignet hat. Damals
tötete ein American Staffordshire Terrier-Mix
einen
türkischen Jungen. Der Halter dieses Hundes gehörte
zu einer "sozialen Randgruppe" (wie es heute so nett
heisst). Tatsächlich war er ein brutaler,
krimineller Widerling, der versuchte seine eigene
Schwäche durch einen kernigen Hund zu kompensieren
auszugleichen. Dieser arme Hund wurde in einem
dunklen Verschlag im Keller gehalten, er wurde
extrem brutal mit Eisenstangen malträtiert (wobei
Schläge auf die Hoden normal waren). Dieser Hund
musste fast immer hungern und bekam nur wenig
Futter, wenn er den Vorstellungen seines psychisch
schwer gestörten Besitzers entsprach. Nachts wurde
der Hund auf Kinderspielplätzen auf dort hängende
Autoreifen abgerichtet, die er durchbeissen und
zerfetzen musste, um Lob und ein wenig Futter zu
bekommen. Mir blutet das Herz, wenn ich an
diesen armen, gepeinigten Hund denke! Als der
Junge durch ihn totgebissen wurde, dachte niemand an
den Hund und die Ursache seiner Attacke. Es war
der Tag X einer noch nie dagewesenen Hetzkampagne
und brutalen Kampfansage, die sich gegen alle
molossoid aussehenden Hunde in diesem Land.
Jeder Hund mit quadratischem Schuhkarton-Kopf wurde
über Nacht zum Kampfhund. Menschen
ergriffen die Flucht beim Anblick harmloser
Französischer Bulldoggen oder Möpse, Hundehalter mit
den von Stund` an betitelten „Kampfhunden“ bekamen
keine Wohnungen oder Häuser mehr zu mieten, es
wurden Gesetze aus der Schublade gepresst – ohne
Sinn und Verstand. Je nach Bundesland waren
unterschiedliche Rassen in den „Kampfhund-Listen“
vertreten. War ein Rottweiler in einem der
Bundesländer noch ein monströser Teufel mit
Versicherungs- und Steuer- Beiträgen, die kein
normaler Mensch mehr aufbringen konnte, so war er im
teilweise nur wenige Kilometer entfernten
Nachbar-Bundesland ein normaler Hund ohne Auflagen.
Es wurden Zuchtverbote für „Kampfhunde“ erlassen,
die Tierheime wurden auf einmal zu Verwahranstalten
für abgegebene Hunde, die die Welt nicht mehr
verstanden. Gestern noch gehätschelter Couchhund im
Warmen, heute isoliert auf feuchtem Untergrund in
ohrenbetäubendem Krach bei geringer Wärme in einem
Tierheim.
Schwache
Halter dieser Hunderassen gaben ihre Hunde einfach
in Heime, sie zeigten keinen Kampfgeist gegenüber
ihrer hysterisch reagierenden Umwelt, sondern
lieferten lieber ihren „besten Freund“ einer
ungewissen Zukunft aus. Jeder vernünftig
denkende Hundehalter wusste, dass hier ein
schreckliches Verbrechen an einigen Hunderassen
begangen wurde!
Es war ein Rassismus in diesem Land zu spüren, der
mich an längst vergangene Zeiten erinnerte. Diesmal
ging die Wut ungebremst auf die Halter der Hunde
los. Eine grosse und überaus beliebte Volkszeitung
spielte auch hier wieder einmal eine
Vorreiter-Rolle, die sie bis auf den heutigen Tag –
11 Jahre nach dem Unfall und damit Auslöser der
Hetze – nicht aufgegeben hat.
Jeder Beissunfall wird dramatisch ausgeschlachtet,
jeder Hund wird zur Bestie, wenn er aus einer Not
heraus angreift und beisst. Gerne wird dann in der
online-Version dieser Zeitung mit dem 4stelligen
Namen auch die Möglichkeit des Leserbriefes geboten,
worauf der Pöbel seinem Hass und seinen perversen
Gedanken freien Lauf lassen kann. Das lieben die
Herren und Damen in der Redaktion – denn sonst
hätten sie lange aufgeklärt und gut recherchiert
über die sog. Kampfhunde berichtet. Menschen,
die genau wissen, dass diese Hunde der
unterschiedlichsten Rassen der Kategorien
Herdenschutzhund, Schutzhund, alle molossoiden und
doggenartigen, aber auch der asiatischen Spitze
keine Kampfhunde per se sind, haben sich nun auf
Begriffe wie Listenhund, Kampfschmuser oder auch
SoKa (SOgenannte KAmpfhunde) geeinigt. Aber die
Misere bleibt bestehen: Wildfremde Menschen zeigen
beim Anblick von Hunden mit breiten Schädeln Angst
und Unruhe und erwarten den für sie tödlichen
Angriff in der nächsten Minute.
Ein
ganz schreckliches und in diesem Jahr
stattgefundenes Beispiel von der Hysterie um
bestimmte Hunderassen herum, können Sie auf dieser
website nachlesen:
http://www.tonka-und-merlin.de/index.html Ich
habe bisher äusserst selten Listenhund-Mischlinge im
Hundshuus gehabt, was aber nicht an einer evtl.
Abneigung gegenüber diesen Hunden begründet liegt,
sondern an dem Umstand, dass hier im platten Land
vorwiegend Hüte- und Schäferhunde auf den Höfen
gehalten werden und dementsprechend als Fundtiere
aufgegriffen werden. Listenhunde haben
leider recht häufig die gleiche Klientel als Halter
und das sind ebenfalls sehr häufig Menschen, deren
Hauptgedanken nicht um das Wohl ihrer Hunde oder
jenes der Menschen kreisen. Nun jedoch
befinden sich Pablo und auch Benno auf den
Vermittlungsseiten des Hundshuus und warten auf
neue, nette Halter. Pablo lebt nicht im
Hundshuus, ich halte aber mit dem Mann, der ihn
trainiert hat und einen Pflegeplatz für ihn fand,
engen Kontakt und kann weitergeben, dass es sich um
einen aussergewöhnlichen Diamanten auf vier Beinen
handelt.
Er
hat eine extrem hohe Reizschwelle, ist gut zu
erziehen, gehorcht hervorragend, ist mit allen
Hunden gut verträglich und ist daher unter dem
Strich eine Art Lottogewinn. Pablo war gerade 20
Stunden auf Hundshuus gelistet, als der erste
Interessent sich meldete, da er seiner Optik völlig
erlegen und im Führen von Terriern erfahren war.
Ich
war hoch erfreut und ein emsiger e-mail-Kontakt
begann. Die anfänglichen Fragen und Bemerkungen nach
der Kontaktaufnahme liessen mich jedoch verwundert
staunen. Hatten sich doch prompt Menschen aus dem
näheren Umfeld des Interessenten für die Zukunft
geweigert, den dort lebenden Ersthund und Pablo aus
dem Haus in den Garten oder gar mit zu einem
Spaziergang zu nehmen. Menschen, die Pablo noch nie
zuvor gesehen hatten, sprachen bereits eine
Kriegserklärung gegen den „Kampfhund“ aus…. Mit
jedem Tag, der bis zum angepeilten Treffen verging,
kamen neue Einwände seitens des Interessenten. Hatte
er doch zwischenzeitlich eine ehemalige
Herausgeberin einer Hundezeitung befragt, was sie
von der geplanten Übernahme hielt. Wollen Sie raten?
Und auch der
Tierarzt, der befragt wurde, äusserte starke
Bedenken – schliesslich befanden sich ein
Kinderspielplatz und eine Schule am Weg zum
Hundeauslaufgebiet! Nun gut: wenn ich eine
Befragung starte, was fremde Menschen von der
Übernahme eines bestimmten Hundes halten würden,
dann hätte ich sicher bald ausreichend Stimmen
zusammen, die meine unterschwelligen Ängste
bestätigen und ich kann erhobenen Hauptes dem Hund
eine Absage erteilen.
Nur: seit wann frage ich andere Leute nach ihrer
Meinung in Bezug auf einen ihnen völlig unbekannten
Hund? Das käme mir nie in den Sinn.
Bereits nach dem ersten zweifelnd geäusserten
Einwand seitens des Interessenten war auch dem
Trainer von Pablo und mir klar, dass diese
Verbindung keine glückliche werden würde. Ein Mensch
sollte immer für seinen Hund Partei ergreifen und in
allen schwierigen Zeiten hinter ihm stehen.
Aber
Strich darunter – ich will mich über so viel
Unvernunft nicht mehr erregen.
Benno, der zweite Kastenkopf auf der website, lebt
hier im Hundshuus und ist mein Goldstück! Er ist ein
Tüffel hoch drei mit der Seele eines Engels. Er
liebt, besser noch, er ignoriert Katzen, er mag alle
Hunde, alle Menschen und er ist der verspielteste
Hund seit Jahren. Er ist ein Traum von einem Hund,
wenn man weder unsicher am Stock gehende Senioren im
Zuhause hat, noch kleine Kinder, die alleine durch
einen Rutenstreich umgeworfen werden können oder man
sich eventuell als Sammler seltener Porzellanfiguren einen Namen
gemacht hat. Trifft das alles nicht zu, so wird
dieser Hund ein wunderbarer Freund an der Seite
seiner neuen Halter sein. Die Listung meiner beiden
Kantenköpfe auf der website
www.couch-gesucht.de
und der auf dieser website befindliche
Adventskalender-Beitrag vom 6.12. über Blankas
Schicksal liessen wieder dieses Entsetzen über all`
diese Einfaltspinsel und Hysteriker in mir
aufwallen, die den Listenhunden das Leben zur Hölle
machen.
Schauen
Sie einmal auf diese hier unter stehende Auflistung
von Hunden und deren Verweildauer in deutschen
Tierheimen. Jeder einfühlsame Mensch kann ermessen,
welches Leid sich hinter diesen Jahreszahlen
verbirgt:
Lady - Seit 12 Jahren im Tierheim
Alfonso - Seit 11 Jahren im Tierheim
Klaus - Seit 10 Jahren im Tierheim
Hope - Seit 11 Jahren im Tierheim
Dusty - Seit 11 Jahren im Tierheim
Bosco - Seit 12 Jahren im Tierheim
Ella - Seit mindestens 8 Jahren im Tierheim
Buck - Seit 10 Jahren im Tierheim
Cäsar - Seit 7 Jahren im Tierheim
Smiley - Seit 11 Jahren im Tierheim
Sheila - Seit 10 Jahren im Tierheim
Gina - Seit mindestens 6 Jahren im Tierheim
Theo - Seit 11 Jahren im Tierheim
Sammy - Seit ca. 10 Jahren im Tierheim
Mauerspecht - Seit 7 Jahren im Tierheim
Sammy - Seit 9 Jahren im Tierheim
Romeo - Seit 11 Jahren im Tierheim
Franky - Seit 9 Jahren im Tierheim
Scotty - Seit 7 Jahren im Tierheim
Jacky - Seit 10 Jahren im Tierheim
Wilson - Seit ca. 10 Jahren im Tierheim
Zensi - Seit mindestens 6 Jahren im Tierheim
Diese Hunde, die auf „couch-gesucht“ aufgeführt
sind, verbringen
ihre Lebenszeit
Jahr um Jahr, Tag um Tag und Stunde für Stunde in
unterschiedlichen Tierheimen . Diese Hunde, die
niemand adoptiert, die vergessen und abgeschoben
sind, haben nur einen Fehler: sie gehören bestimmten
Rassen an, die Leute hinter Schreibtischen auf
irgendwelche Listen gesetzt haben. Per Verfügung
wurden diese Hunde zu Monstern, zu Wesen, die kein
Anrecht auf ein artgerechtes Leben bekommen.
Ich kenne die Tierheime nicht, in denen die vielen
Listenhunde ausharren und verzweifeln, aber meine
Phantasie sagt mir genau, wie so ein Alltag, so eine
Monotonie aussieht. Wie es ist, wenn sich um 16 oder
17 h die Haupttüren schliessen und alle
Tierheim-Mitarbeiter nach Hause fahren. In ihr
schönes, bequemes Zuhause, in dem vielleicht auch
Hunde leben und kuscheln und geniessen dürfen. Ein
Umfeld, in dem niemand seine Blase und seinen Darm
zukneifen muss, weil die Öffnungszeiten eines
Tierheims auf solche Kleinigkeiten nun mal keine
Rücksicht nehmen. Diese Verlassenen waren
einstmals vielleicht geliebte Hunde, vielleicht
wurden sie aber auch durch kriminelle Halter gequält
– eines sind sie heute alle: verzweifelte,
resignierte und todtraurige Hunde, denen niemand
eine Chance auf ein neues, behütetes Leben gibt!
Gehen Sie einmal auf die website couch-gesucht und
klicken Sie auf der linken Seite auf den Link SoKa.
Was sich Ihnen da an Rüden und Hündinnen bietet, ist
unvorstellbar. Es ist eine unüberschaubare Menge an
verstossenen Hundeseelen, die zu allem Überfluss auf
Grund ihrer Rasse besonders feinfühlig, sehr
liebebedürftig und verschmust sind. In England
heissen die bei uns verstossenen „Nanny dogs“
(Kindermädchen-Hunde), da sie im Umgang mit Kindern
liebevoll sind und eine extrem hohe Reizschwelle
haben. Wir in Deutschland bestrafen Tausende
von Listenhunden, weil sie durch ihre Geburt einer
bestimmten Rasse zugeordnet wurden und mit einem
Bann belegt wurden. Ich bitte Sie, liebe
Hundshuus-Leser, geben Sie Ihrem Herzen einen Schubs
und adoptieren Sie einen Listenhund, wenn Sie Zeit
und Platz für ihn haben sollten. Besteht diese
Möglichkeit nicht, dann werden Sie Pate eines
solchen über Jahre hinweg unschuldig inhaftierten
Hundes und schicken Sie ihm speziell schöne
getrocknete Kau-Leckerlies wie Ochsenziemer oder
ähnliches oder werden Sie Gassigänger ganz speziell
für diesen Hund. Geben Sie ihm das Gefühl, dass er
nicht verlassen und alleine auf dieser Welt auf
seinen Tod warten muss, sondern er sich freuen darf,
weil SIE ihn an bestimmten Tagen zu festen Zeiten im
Tierheim besuchen.
Wenn
sich nur einhundert Leser ein Herz fassen würden und
diese Vorschläge in die Tat umsetzen würden – was
für ein wunderbares Fest der Liebe für die
Verlassenen in den Tierheimen.
Vielleicht sind Sie ja einer der Engel für einen der
einsamen Listenhunde in den Heimen – und wenn dem so
wäre, dann danke ich Ihnen dafür von ganzem Herzen!
Sie möchten mehr zum Thema "Kampf-Schmuser"
lesen?
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und hier
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