...von der Seele geschrieben:

 

 

 

 

2013

 

Das Elend der sog. "Kampfhunde"

 

Liebe Hundshuus-Leser,  
in diesem Text möchte ich auf eine für mich unerträgliche und extrem bedrückende Situation aus der Welt der Hunde aufmerksam machen.
Wenn ich Sie frage, ob Sie sich  in Zusammenhang mit Hunden an bestimmte Ereignisse erinnern können, so wird  ein grosser Teil der Leser spontan den tödlichen Beissvorfall  zitieren, der sich   im Jahr 2000 in Hamburg ereignet hat.
Damals tötete ein American Staffordshire Terrier-Mix  einen türkischen Jungen. Der Halter dieses Hundes gehörte zu einer "sozialen Randgruppe" (wie es heute so nett heisst).  Tatsächlich war er ein brutaler, krimineller Widerling, der versuchte seine eigene Schwäche durch einen kernigen Hund zu kompensieren auszugleichen.
Dieser arme Hund wurde in einem dunklen Verschlag im Keller gehalten, er wurde extrem brutal mit Eisenstangen malträtiert (wobei Schläge auf die Hoden normal waren). Dieser Hund musste fast immer hungern und bekam nur wenig Futter, wenn er den Vorstellungen seines psychisch schwer gestörten Besitzers entsprach. Nachts wurde der Hund auf Kinderspielplätzen auf dort hängende Autoreifen abgerichtet, die er durchbeissen und zerfetzen musste, um Lob und ein wenig Futter zu bekommen.
Mir blutet das Herz, wenn ich an diesen armen, gepeinigten Hund denke!
Als der Junge durch ihn totgebissen wurde, dachte niemand an den Hund und die Ursache seiner Attacke.
Es war der Tag X einer noch nie dagewesenen Hetzkampagne und brutalen Kampfansage, die sich gegen alle molossoid aussehenden Hunde in diesem Land.
Jeder Hund mit quadratischem Schuhkarton-Kopf wurde über Nacht zum Kampfhund.  Menschen ergriffen die Flucht beim Anblick harmloser Französischer Bulldoggen oder Möpse, Hundehalter mit den von Stund` an betitelten „Kampfhunden“ bekamen keine Wohnungen oder Häuser mehr zu mieten, es wurden Gesetze aus der Schublade gepresst – ohne Sinn und Verstand.
Je nach Bundesland waren unterschiedliche Rassen in den „Kampfhund-Listen“ vertreten. War ein Rottweiler in einem der Bundesländer noch ein monströser Teufel mit Versicherungs- und Steuer- Beiträgen, die kein normaler Mensch mehr aufbringen konnte, so war er im teilweise nur wenige Kilometer entfernten Nachbar-Bundesland ein normaler Hund ohne Auflagen.

Es wurden Zuchtverbote für „Kampfhunde“ erlassen, die Tierheime wurden auf einmal zu Verwahranstalten für abgegebene Hunde, die die Welt nicht mehr verstanden. Gestern noch gehätschelter Couchhund im Warmen, heute isoliert auf feuchtem Untergrund in ohrenbetäubendem Krach bei geringer Wärme in einem Tierheim.  Schwache Halter dieser Hunderassen gaben ihre Hunde einfach in Heime, sie zeigten keinen Kampfgeist gegenüber ihrer hysterisch reagierenden Umwelt, sondern lieferten lieber ihren „besten Freund“ einer ungewissen Zukunft aus.  Jeder vernünftig denkende Hundehalter wusste, dass hier ein schreckliches Verbrechen an einigen Hunderassen begangen wurde!

Es war ein Rassismus in diesem Land zu spüren, der mich an längst vergangene Zeiten erinnerte. Diesmal ging die Wut ungebremst auf die Halter der Hunde los. Eine grosse und überaus beliebte Volkszeitung spielte auch hier wieder einmal eine Vorreiter-Rolle, die sie bis auf den heutigen Tag – 11 Jahre nach dem Unfall und damit Auslöser der Hetze – nicht aufgegeben hat.

Jeder Beissunfall wird dramatisch ausgeschlachtet, jeder Hund wird zur Bestie, wenn er aus einer Not heraus angreift und beisst. Gerne wird dann in der online-Version dieser Zeitung mit dem 4stelligen Namen auch die Möglichkeit des Leserbriefes geboten, worauf der Pöbel seinem Hass und seinen perversen Gedanken freien Lauf lassen kann. Das lieben die Herren und Damen in der Redaktion – denn sonst hätten sie lange aufgeklärt und gut recherchiert über die sog. Kampfhunde berichtet.
Menschen, die genau wissen, dass diese Hunde der unterschiedlichsten Rassen der Kategorien Herdenschutzhund, Schutzhund, alle molossoiden und doggenartigen, aber auch der asiatischen Spitze keine Kampfhunde per se sind, haben sich nun auf Begriffe wie Listenhund, Kampfschmuser oder auch SoKa (SOgenannte KAmpfhunde) geeinigt.
Aber die Misere bleibt bestehen: Wildfremde Menschen zeigen beim Anblick von Hunden mit breiten Schädeln Angst und Unruhe und erwarten den für sie tödlichen Angriff in der nächsten Minute.
 Ein ganz schreckliches und in diesem Jahr stattgefundenes Beispiel von der Hysterie um bestimmte Hunderassen herum, können Sie auf dieser website nachlesen:  http://www.tonka-und-merlin.de/index.html
Ich habe bisher äusserst selten Listenhund-Mischlinge im Hundshuus gehabt, was aber nicht an einer evtl. Abneigung gegenüber diesen Hunden begründet liegt, sondern an dem Umstand, dass hier im platten Land vorwiegend Hüte- und Schäferhunde auf den Höfen gehalten werden und dementsprechend als Fundtiere aufgegriffen werden.  Listenhunde haben leider recht häufig die gleiche Klientel als Halter und das sind ebenfalls sehr häufig Menschen, deren Hauptgedanken nicht um das Wohl ihrer Hunde oder jenes der Menschen  kreisen.
Nun jedoch befinden sich Pablo und auch Benno auf den Vermittlungsseiten des Hundshuus und warten auf neue, nette Halter.
Pablo lebt nicht im Hundshuus, ich halte aber mit dem Mann, der ihn trainiert hat und einen Pflegeplatz für ihn fand, engen Kontakt und kann weitergeben, dass es sich um einen aussergewöhnlichen Diamanten auf vier Beinen handelt.
 Er hat eine extrem hohe Reizschwelle, ist gut zu erziehen, gehorcht hervorragend, ist mit allen Hunden gut verträglich und ist daher unter dem Strich eine Art Lottogewinn.
Pablo war gerade 20 Stunden auf Hundshuus gelistet, als der erste Interessent sich meldete, da er seiner Optik völlig erlegen und im Führen von Terriern erfahren war.
 Ich war hoch erfreut und ein emsiger e-mail-Kontakt begann. Die anfänglichen Fragen und Bemerkungen nach der Kontaktaufnahme liessen mich jedoch verwundert staunen. Hatten sich doch prompt Menschen aus dem näheren Umfeld des Interessenten für die Zukunft geweigert, den dort lebenden Ersthund und Pablo aus dem Haus in den Garten oder gar mit zu einem Spaziergang zu nehmen. Menschen, die Pablo noch nie zuvor gesehen hatten, sprachen bereits eine Kriegserklärung gegen den „Kampfhund“ aus…. Mit jedem Tag, der bis zum angepeilten Treffen verging, kamen neue Einwände seitens des Interessenten. Hatte er doch zwischenzeitlich eine ehemalige Herausgeberin einer Hundezeitung befragt, was sie von der geplanten Übernahme hielt. Wollen Sie raten?  Und auch der Tierarzt, der befragt wurde, äusserte starke Bedenken – schliesslich befanden sich ein Kinderspielplatz und eine Schule am Weg zum Hundeauslaufgebiet!
Nun gut: wenn ich eine Befragung starte, was fremde Menschen von der Übernahme eines bestimmten Hundes halten würden, dann hätte ich sicher bald ausreichend Stimmen zusammen, die meine unterschwelligen Ängste bestätigen und ich kann erhobenen Hauptes dem Hund eine Absage erteilen.  

Nur: seit wann frage ich andere Leute nach ihrer Meinung in Bezug auf einen ihnen völlig unbekannten Hund?  Das käme mir nie in den Sinn.

Bereits nach dem ersten zweifelnd geäusserten Einwand seitens des Interessenten war auch dem Trainer von Pablo und mir klar, dass diese Verbindung keine glückliche werden würde. Ein Mensch sollte immer für seinen Hund Partei ergreifen und in allen schwierigen Zeiten hinter ihm stehen.  Aber Strich darunter – ich will mich über so viel Unvernunft nicht mehr erregen.  

Benno, der zweite Kastenkopf auf der website, lebt hier im Hundshuus und ist mein Goldstück! Er ist ein Tüffel hoch drei mit der Seele eines Engels. Er liebt, besser noch, er ignoriert Katzen, er mag alle Hunde, alle Menschen und er ist der verspielteste Hund seit Jahren. Er ist ein Traum von einem Hund, wenn man weder unsicher am Stock gehende Senioren im Zuhause hat, noch kleine Kinder, die alleine durch einen Rutenstreich umgeworfen werden können oder man sich eventuell als Sammler seltener Porzellanfiguren  einen Namen gemacht hat. Trifft das alles nicht zu, so wird dieser Hund ein wunderbarer Freund an der Seite seiner neuen Halter sein. Die Listung meiner beiden Kantenköpfe auf der
website
 www.couch-gesucht.de und der auf dieser website befindliche Adventskalender-Beitrag vom 6.12. über Blankas Schicksal liessen wieder dieses Entsetzen über all` diese Einfaltspinsel und Hysteriker in mir aufwallen, die den Listenhunden das Leben zur Hölle machen.  Schauen Sie einmal auf diese hier unter stehende Auflistung von Hunden und deren Verweildauer in deutschen Tierheimen. Jeder einfühlsame Mensch kann ermessen, welches Leid sich hinter diesen Jahreszahlen verbirgt:


Lady - Seit 12 Jahren im Tierheim
Alfonso - Seit 11 Jahren im Tierheim
Klaus - Seit 10 Jahren im Tierheim
Hope - Seit 11 Jahren im Tierheim
Dusty - Seit 11 Jahren im Tierheim
Bosco - Seit 12 Jahren im Tierheim
Ella - Seit mindestens 8 Jahren im Tierheim
Buck - Seit 10 Jahren im Tierheim
Cäsar - Seit 7 Jahren im Tierheim
Smiley - Seit 11 Jahren im Tierheim
Sheila - Seit 10 Jahren im Tierheim
Gina - Seit mindestens 6 Jahren im Tierheim
Theo - Seit 11 Jahren im Tierheim
Sammy - Seit ca. 10 Jahren im Tierheim
Mauerspecht - Seit 7 Jahren im Tierheim
Sammy - Seit 9 Jahren im Tierheim
Romeo - Seit 11 Jahren im Tierheim
Franky - Seit 9 Jahren im Tierheim
Scotty - Seit 7 Jahren im Tierheim
Jacky - Seit 10 Jahren im Tierheim
Wilson - Seit ca. 10 Jahren im Tierheim
Zensi - Seit mindestens 6 Jahren im Tierheim

 

Diese Hunde, die auf „couch-gesucht“ aufgeführt sind, verbringen ihre Lebenszeit Jahr um Jahr, Tag um Tag und Stunde für Stunde in unterschiedlichen Tierheimen . Diese Hunde, die niemand adoptiert, die vergessen und abgeschoben sind, haben nur einen Fehler: sie gehören bestimmten Rassen an, die Leute hinter Schreibtischen auf irgendwelche Listen gesetzt haben. Per Verfügung wurden diese Hunde zu Monstern, zu Wesen, die kein Anrecht auf ein artgerechtes Leben bekommen.   Ich kenne die Tierheime nicht, in denen die vielen Listenhunde ausharren und verzweifeln, aber meine Phantasie sagt mir genau, wie so ein Alltag, so eine Monotonie aussieht. Wie es ist, wenn sich um 16 oder 17 h die Haupttüren schliessen und alle Tierheim-Mitarbeiter nach Hause fahren. In ihr schönes, bequemes Zuhause, in dem vielleicht auch Hunde leben und kuscheln und geniessen dürfen. Ein Umfeld, in dem niemand seine Blase und seinen Darm zukneifen muss, weil die Öffnungszeiten eines Tierheims auf solche Kleinigkeiten nun mal keine Rücksicht nehmen.
Diese Verlassenen waren einstmals vielleicht geliebte Hunde, vielleicht wurden sie aber auch durch kriminelle Halter gequält – eines sind sie heute alle: verzweifelte, resignierte und todtraurige Hunde, denen niemand eine Chance auf ein neues, behütetes Leben gibt!
Gehen Sie einmal auf die website couch-gesucht und klicken Sie auf der linken Seite auf den Link SoKa. Was sich Ihnen da an Rüden und Hündinnen bietet, ist unvorstellbar. Es ist eine unüberschaubare Menge an verstossenen Hundeseelen, die zu allem Überfluss auf Grund ihrer Rasse besonders feinfühlig, sehr liebebedürftig und verschmust sind.
In England heissen die bei uns verstossenen  „Nanny dogs“ (Kindermädchen-Hunde), da sie im Umgang mit Kindern liebevoll sind und eine extrem hohe Reizschwelle haben.  Wir in Deutschland bestrafen Tausende von Listenhunden, weil sie durch ihre Geburt einer bestimmten Rasse zugeordnet wurden und mit einem Bann belegt wurden.
Ich bitte Sie, liebe Hundshuus-Leser, geben Sie Ihrem Herzen einen Schubs und adoptieren Sie einen Listenhund, wenn Sie Zeit und Platz für ihn haben sollten. Besteht diese Möglichkeit nicht, dann werden Sie Pate eines solchen über Jahre hinweg unschuldig inhaftierten Hundes und schicken Sie ihm speziell schöne getrocknete Kau-Leckerlies wie Ochsenziemer oder ähnliches oder werden Sie Gassigänger ganz speziell für diesen Hund. Geben Sie ihm das Gefühl, dass er nicht verlassen und alleine auf dieser Welt auf seinen Tod warten muss, sondern er sich freuen darf, weil SIE ihn an bestimmten Tagen zu festen Zeiten im Tierheim besuchen.
 Wenn sich nur einhundert Leser ein Herz fassen würden und diese Vorschläge in die Tat umsetzen würden – was für ein wunderbares Fest der Liebe für die Verlassenen in den Tierheimen.  

Vielleicht sind Sie ja einer der Engel für einen der einsamen Listenhunde in den Heimen – und wenn dem so wäre, dann danke ich Ihnen dafür von ganzem Herzen!  

Sie möchten mehr zum Thema "Kampf-Schmuser" lesen? hier und hier

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